Das andere Ich

Es gibt die Theorie, das es neben unserer Realität, so wie wir sie kennen, noch viele weitere Varianten eben Dieser gibt.
Manchmal ist dort vielleicht nur eine Kleinigkeit anders.
Eventuell ist der Himmel grün statt blau, Hunde miauen oder Männer bekommen die Kinder.
Rein theoretisch ist Alles möglich, also auch eine Dimension in der es ein anderes Ich gibt.

In dieser Dimension habe ich mich an der ein oder anderen Weggabelung anders entschieden, bin nach rechts statt nach links gegangen, habe einen Umweg genommen statt die Abkürzung.

Da, so stelle ich mir vor, trennten sich die Wege von mir und meinem anderen Ich das erste Mal schon im Kindergartenalter.

Das andere Ich war schon immer ein geselliges kleines Mädchen, aufgeschlossen gegenüber ihren Mitmenschen und immer zum spielen zu haben.
In dieser Zeit mochte ich es schon eher ruhig.
Zwar spielte ich auch mit anderen Kindern, doch war ich auch nicht böse wenn ich alleine war.
Vieles war mir zu laut, zu viel, dem anderen Ich konnte es gar nicht Trubel genug sein.

Von diesem Charakterzug, ob extrovertiert oder introvertiert, hing Vieles im Laufe der nächsten Jahre ab.

Vielleicht ging sie genauso zum Klavierunterricht wie ich es tat, doch tauschte nach 3 Jahren nicht die Klaviatur gegen das Karatetraining.
Während ich Kampftechniken lernte, verfeinerte sie ihre Spielweise.
Während ich an Turnieren teilnahm, gab sie auf kleinen Konzerten ihr Können zum Besten.

Eventuell fiel ihr mit 13 Jahren das gleiche Buch in die Hände wie mir, ein Lehrbuch der Chirurgie. Doch sie machte aus der Faszination ein Lebensziel und setzte Alles daran Dieses zu erreichen, während ich ziellos von einer Jobidee zur Nächsten sprang.

Sie wusste das für das Medizinstudium ein guter Abschluss notwendig war.
So lernte sie und setzte Alles daran das bestmögliche aus dem Abitur herauszuholen.
Während ich mit dem zufrieden war was mir in den Schoß fiel und mit 2.0 den Abschluss machte, schaffte sie einen guten Einser-Schnitt und ergatterte sich das ersehnte Medizinstudium.

Mich verschlug es über einen kurzen Umweg über die Bundeswehr in die Gastronomie, während mein anderes ich fleißig an ihrem Doktortitel arbeitet.

Schon mit 19 fand ich den Mann mit dem ich die nächsten Jahre meines Lebens teilen würde.
Wir entwickelten uns gemeinsam weiter, gründeten eine Familie und kauften ein Haus.

Auch mein anderes Ich verschlug es in die ein oder andere Beziehung, doch auch Abenteuer war sie im Gegensatz zu mir nicht abgeneigt.

Sie reist gerne, lernt viele Leute kennen und konzentriert sich ansonsten auf ihre Karriere.

Wir sind so unterschiedlich wie man es sich nur vorstellen kann und doch glücklich mit unseren Entscheidungen, ohne Reue wie wir unseren Weg gegangen sind, mit Allen Höhen und Tiefen die es zu überwinden galt.

Doch Eines fällt mir ein haben wir noch gemeinsam: Wir schreiben beide einen Blog!

Ihr Artikel heute heißt „Das andere Ich“.

In diesem Artikel stellt sie sich mein Leben vor, wahrscheinlich Alles etwas bunter und fröhlicher als es ist, genauso wie ich mir Ihres.
Sie malt sich meinen Ehemann aus, die kleine Tochter die sie in den Armen hält und der sie versucht eine gute Mutter zu sein.

Trotz des Glücks das wir Beide auf unserem Lebensweg empfinden, stellt sich uns am Ende doch die gleiche Frage…

Wie wäre es wohl, Sie zu sein?

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Von Entscheidungen

Ich glaube fast jeder kennt dieses Gefühl der Stagnation.
Es gibt Momente in denen man nicht umher kommt zu denken, dass irgendwie aus irgendeinem Grund einfach Alles falsch läuft.
Das Leben müsste anders sein, zumindest nicht so, und man fragt sich wo genau man denn jetzt eigentlich die falsche Abzweigung genommen hat.
Doch im Endeffekt war es nicht diese eine Ausfahrt die zu Allem geführt hat.
Es waren hunderte von kleinen und großen Entscheidungen, welche uns genau an diesen Punkt gebracht haben.

All zu oft schieben wir bei der Begründung unserer Entschlüsse Andere nur zu gerne vor.

„Eigentlich möchte ich ja abnehmen, aber meine Mutter/Oma/der fremde Koch im Restaurant hat sich so viel Mühe beim Koch/Backen gemacht. Da musste ich auch zuschlagen, sonst wäre sie/er bestimmt beleidigt gewesen.“

„Eigentlich bin ich unglücklich in meinem Beruf, doch meine Freunde/Familie/der Nachbarshund haben mir davon abgeraten einen sicheren Job in diesen Krisenzeiten aufzugeben.“

„Eigentlich wollte ich mehr Sport machen, doch mein Partner/die Katze/das Meerschweinchen kuschelt Abends immer so gerne mit mir auf der Couch. Das kann ich ihm/ihr doch nicht abschlagen.“

Ich könnte noch ewig so weiter machen, aber ich gehe davon aus ihr habt das Prinzip verstanden.

Natürlich gibt es immer Gründe für unsere Entscheidungen und ja, manchmal spielt unser Umfeld eine immense Rolle.
Es ist nicht unbedingt ratsam allein über das Ziel des Familienurlaubs zu entscheiden, doch um solche Angelegenheiten geht es nicht.

Was ich meine sind unsere persönlichen Belangen.

Wenn ich ein Ziel habe, etwas was ich unbedingt erreichen möchte, dann sollte man doch meinen das ich auch alles dafür in meiner Macht stehende tue.
Doch stattdessen verhalten wir uns immer wieder entgegen besseren Wissens.

Ein Stück Sahnetorte statt des Joghurts mit Früchten, wieder brav zur Arbeit gehen statt endlich den Arsch hoch zu bekommen und sich was Neues zu suchen, wieder einen Abend vor dem Fernseher statt einer halben Stunde Training.

Es sind die Entscheidungen jedes einzelnen Tages welche unser Leben bestimmen.

Die große eine „Rechts-oder-Links“-Frage gibt es schlicht und ergreifend nicht, niemand hat nur eine einzige Entscheidung zu treffen.

Jeden Tag aufs Neue entscheiden wir uns selbst entweder für oder eben gegen uns, unsere Prinzipien und Ziele.

Im Endeffekt ist es doch so furchtbar simpel.

Bei jeder metaphorischen Kreuzung an der wir stehen sollten wir uns nur eine wichtige Frage stellen:

In welcher Richtung liegt mein Ziel?

Und wenn man sich dann immer noch für das gegenteilige Verhalten entscheidet, wenn man sich selbst nicht wichtig genug ist die passende Entscheidung zu treffen, ist es schlicht und ergreifend die eigene Schuld.

Nicht die der Mutter, der Oma, des Partners, der Kinder, der Freunde, des Nachbarshundes oder des Meerschweinchens.

In diesem Sinne…

Bleibt einfach,
Lili

7 Monate Mama

Wenn ich so darüber nachdenke kann ich es immer noch nicht richtig begreifen, doch unser kleines Äffchen ist seit gestern schon 7 Monate alt.

Es waren Monate voll mit Tränen, Geschrei, Lachen und Lernen.
Und wie sich das Baby erst aufgeführt hat…
Aber Alles der Reihe nach, es gibt so viel zu erzählen.

Die ersten Tage

Nach einem Kaiserschnitt sollte man vernünftigerweise ein paar Tage im Krankenhaus verbringen. Ist auch nicht wirklich so als hätte man eine andere Wahl, also Zähne zusammenbeißen und durch.
Meine Mutter hat drei spontane Geburten und einen Kaiserschnitt hinter sich gebracht und es danach ganz treffend formuliert:

Eine normale Geburt ist schlimm in der Zeit in der sie stattfindet, ein Kaiserschnitt ist es die Tage danach.

Am Tag der Operation ist es so ziemlich unmöglich sich halbwegs zu bewegen. Erst weil man durch die Betäubung im Rückenmark seine Beine eh nicht spürt, dann weil man seine Bauchmuskeln nicht mehr benutzen kann.
Falls ihr euch mal gefragt habt wie wichtig die Dinger sind, lasst euch mal den Bauch aufschneiden.

Zwar durfte ich am Abend nach viel Überzeugungsarbeit noch kurz aufstehen, doch nach einem kurzen Spaziergang ins Badezimmer und wieder zurück war ich ungefähr so ausgelaugt wie nach einem Marathonlauf.
Dementsprechend ist es auch unmöglich sich alleine um das kleine Wesen zu kümmern, Welches gerade erst das Licht der Welt erblickt hat und noch auf soviel Hilfe angewiesen ist.
Als wir ahnten das eine OP auf uns zu kommt wollte mein Mann die ersten zwei Nächte mit im Krankenhaus verbringen und dies war laut Homepage auch möglich.
Nach Zuzahlung gäbe es ein Familienzimmer.
In der Theorie ganz schön, in der Praxis konnte man es vergessen.
An diesem Wochenende hat Alles geworfen was auch nur in der Nähe eines Geburtstermins war. Die Station war randvoll, ein Familienzimmer ausgeschlossen und ich ab 22Uhr alleine mit einem Baby.
An diesem Punkt möchte ich lobend das Schwesternteam des Krankenhauses erwähnen.
Sie waren bei einem Klingeln fast augenblicklich zur Stelle und kamen auch ohne Aufforderung regelmäßig nach mir und der Kleinen schauen.
Nicht einmal hat man mir Nahe gelegt das Baby einfach mit ins Schwesternzimmer zu geben, obwohl das für Alle Beteiligten eindeutig leichter gewesen wäre.
Mit Engelsgeduld haben Sie die Kleine die erste Nacht gewickelt und mir sofort zurückgebracht, mich beim Stillen nach allen Kräften unterstützt und nicht einmal haben die Schwestern mir das Gefühl gegeben zu nerven.
So ging es noch fast den ganzen Samstag, zumindest bis der Katheter gezogen wurde und ich einigermaßen von A nach B kam, ab Sonntag konnte ich das Äffchen schon komplett alleine versorgen.
Zwar unter Schmerzen, aber unter keinen Umständen hätte ich mir das wegnehmen lassen.
Ab dem Zeitpunkt wo ich wieder mobil war wurde das „Kinderzimmer“ (Raum zum Stillen und Wickeln der Station) mein bester Freund.
Nicht nur weil einem irgendwann die Decke auf den Kopf fällt, sondern auch weil bei meiner Bettnachbarin gefühlt 1000 Leute jeden Tag zu Besuch kamen.
Sobald die Kleine schlief (sie schlief wahnsinnig viel und war von Anfang an ein sehr entspanntes Baby) und ich auch hätte schlafen können und vor Allem dringend sollen, passierte eines von folgenden 4 Dingen:

1. Eine Schwester kam rein um meine Vitalwerte zu überprüfen.
2.  Eine Gruppe von Besuchern kam meine Zimmernachbarin besuchen.
3.  Eine Schwester kam rein um mir Blut abzunehmen.
4.  Ein Arzt kam ins Zimmer um nach der Narbe zu schauen

Noch nie in meinem ganzen Leben war ich so erschöpft wie an diesen Tagen. Die längste Zeitspanne die ich schlief betrug eine Stunde am Stück.
Auf die Frage wann ich denn nach Hause wolle kam, noch bevor der Satz zu Ende gesprochen war, die Antwort:

„SO SCHNELL WIE MÖGLICH!“

Sich in einem Krankenhaus erholen zu wollen ist einfach ein Witz, ich wüsste nicht wie das möglich sein sollte.
Nach der U3 und dem Einverständnis der Ärzte verließen wir das Krankenhaus am Dienstag Mittag. Voller Eifer meinte ich wir könnten gleich noch kurz Einkaufen fahren damit das erledigt wäre.
Es ging mir auch einigermaßen gut.
Zwar war ich geschwächt, aber die Freude über die Heimkehr übertönte Alles.
Abends legten wir die Kleine das erste Mal in ihr eigenes Bettchen und sie schlief augenblicklich ein.
Ich kletterte daneben in unser Bett und versuchte eine Position zu finden in der ich endlich auch Schlafen konnte.
Sobald ich Diese gefunden hatte brach ich komplett zusammen.
Ich war müde, ich hatte Schmerzen und meine Hormone fuhren Achterbahn, in diesem Moment war einfach Alles zu Viel.
Mein Mann nahm mich in den Arm und ich kam irgendwann wieder zur Ruhe.
Ich schlief so gut wie seit einer Woche nicht mehr.
Auch wenn es nur 3 Stunden waren, es war der Himmel auf Erden.
Der Babyblues hielt mich noch eine ganze Weile auf Trab, immer mal wieder brach ich in Tränen aus.
Doch es wurde besser und irgendwann waren die Einzigen die mir das Leben noch Schwer machten meine Milchspender.
Womit wir auch schon zum nächsten Punkt kommen…

Das Stillen

Um es gleich vorneweg zu nehmen, diese Geschichte hat kein Happy End…

Dabei lief am Anfang noch Alles recht unproblematisch.
Am zweiten Tag hatte ich Milcheinschuss und das Äffchen wurde pappe satt.
Es bereitete ihr mit ihren gerade mal 2.5kg Geburtsgewicht allerdings eine Menge Anstrengung und sie schlief beim Stillen mehr ein als das sie trank.
Als wir das Krankenhaus verließen hatte ich aber eine Variante gefunden mit der es wunderbar klappte, auch wenn eine Runde sich immer noch gut 1 Stunde oder auch länger hinzog.

Irgendwann am 10.Tag hatte ich den ersten Milchstau, drei Tage später den Zweiten in der gleichen Brust.
Natürlich mit hohem Fieber und Schüttelfrost, welcher das Gebäude eigentlich hätte mit vibrieren lassen müssen.
Danach gab diese Seite kaum noch Milch und ich versuchte das Äffchen größten Teils mit einer Brust durchzubekommen.
Es ging 5 Tage gut an denen ich sie auch immer wieder an die „Schlechte“ legte, aber es kam einfach nicht mehr in Fahrt und der Größenunterschied wurde wirklich belastend.
Ein paar Tage später auch Milchstau in der Anderen, kurz darauf noch Einer und danach der Letzte.
Ich mache es ab hier kurz…

Ich habe aufgegeben!

Nächtelang habe ich heulend mit Fieber und Schüttelfrost im Bett gelegen, hatte Schmerzen die selbst den Kaiserschnitt in den Schatten stellten und war mit den Nerven am Ende.
Als nach dem letzten Milchstau beide Brüste so gut wie keine Milch mehr gaben und wir Babynahrung auf Verträglichkeit getestet hatten, stillte ich erleichtert ab.

Ich habe Nichts Gutes zu berichten und doch bleibt ein Wehmutstropfen.
Vielleicht hätte ich die Sache einfach ruhiger angehen, das Wochenbett wörtlich nehmen und mich mit meinem Baby in die Kissen kuscheln sollen.
Die Frage bleibt ob ich es mit meinem Verhalten einfach verbockt habe, ob ich mich nicht hätte anders verhalten sollen.

Doch es ist Gut gegangen.
Das Äffchen wächst und gedeiht und hatte bis auf einen Schnupfen auch noch keine gesundheitlichen Probleme.
Ich wage zu behaupten das Dies das Wichtigste ist.

Die Entwicklung

An diesem Punkt werde ich ins Schwärmen und/oder auch ins Angeben abdriften.
Findet euch damit ab! 😉

Von Anfang an war unser kleines Äffchen extrem neugierig was ihre Umwelt anging.
Schon im OP hat sie vor lauter Staunen die Augen nicht mehr zubekommen, allerdings hat sie den ersten Monat auch gute 80% des Tages mit Schlafen verbracht.
Den Rest wollte sie wohl so gut es ging ausnutzen.

Ich erinnere mich an einen Abend in der ersten Woche an dem sie plötzlich putzmunter war während sie mit ihrem Papa zusammen im Sitzsack eingekuschelt war.
In dieser Stunde hat sie nichts weiter getan als einfach nur sein Gesicht zu begutachten, sie war total fasziniert.

Ich kann die einzelnen Schritte gar nicht mehr genau nachvollziehen.
Babys verändern sich so unglaublich schnell und vor Allem ruckartig.
Mit knappen 4 Monaten hatte sie sich plötzlich auf den Bauch gedreht, während vorher nicht einmal andeutungsweise etwas in der Richtung zu erkennen gewesen wäre.
Ab da war auf dem Rücken liegen out.
Das Problem dabei ist nur das Zurückdrehen, aus irgendeinem Grund lernen die Kleinen das erst wesentlich später.
Sie drehte sich also ständig auf den Bauch und sobald sie nicht mehr konnte wurde lautstark gemeckert.
Dann drehte man sie zurück, nur um sie im nächsten Moment wieder auf dem Bauch vorzufinden.
Es war eine anstrengende Zeit, denn wirklich lange hielt sie nicht durch.
Mittlerweile hat sie aber verstanden das man den Kopf auch einfach mal zum Ausruhen ablegen kann. 🙂
Mit knapp 6 Monaten hat sie auch begriffen das Zurückrollen kein großes Zauberkunststück ist.

Seit sie fünfeinhalb Monate alt ist versuchte Sie mit großen Enthusiasmus zu robben.
Die Betonung liegt auf Versuchen, der Arsch ging nämlich mit Schwung in die Höhe und die Arme lustigerweise auch.
Sieht zwar sehr amüsant aus, ist zum Vorwärtskommen jedoch eher ungeeignet.
Mittlerweile bleiben die Arme unten, doch mit dem Schieben bewegt sie sich nun nach Hinten.
Was allerdings seit knapp zwei Wochen super funktioniert ist das sich im Kreis Schieben.
Mit den Händen wird sich mit viel Schwung in die Richtung gedreht in der was Interessantes passiert, kommt man da nicht so schnell hin wird sich eben gekugelt.
Den Trick hatte sie, nachdem sie die Rückendrehung gelernt hatte, sehr schnell raus. 😀

Seit dem 4. Monat versucht sie sich auch schon fleißig hoch zu stemmen und immer in einer zumindest halbwegs sitzenden Position zu sein.
Liegend sieht man nämlich Nichts und das ist Langweilig.
Mittlerweile hat sie die Sache mit dem Gleichgewicht recht gut im Griff, aber alleine Sitzen sorgt immer noch für einige lustige Plumpser und allzu Lang lässt Mama das auch noch nicht durchgehen.
Sobald sie gelernt hat sich alleine hinzusetzen kann sie das von mir aus so Lange machen wie sie möchte.

Bei ihrer ganzen physischen Entwicklung war die Physiotherapeutin auch eine große Hilfe.
Zu ihr sind wir gegangen da das kleine Äffchen nach drei Wochen eine ausgeprägte Schieflage nach links hatte, ihr Kopf ließ sich auch überhaupt nicht mehr nach rechts drehen.
Ihr fiel auch auf was einem als Anfängermama schnell mal entgeht, man hat halt nicht wirklich Vergleiche.
Das Äffchen hat für ihr Alter schon eine extrem gut ausgeprägte Feinmotorik.
Schon mit etwas 3Monaten hat sie angefangen kleinere Gegenstände, wie zum Beispiel ihren Schnuller, in den Händen zu drehen und von einer Hand in die Andere zu geben.
Da landete auch noch des Öfteren Etwas einfach im Gesicht und geschielt wurde auch bis zum Erbrechen.
Mit nun 7 Monaten ist sie sehr geschickt und benutzt beide Hände manchmal gleichzeitig für unterschiedliche Dinge. Man weiß ja im ersten Moment noch nicht was interessanter sein könnte. 😀
Mich freut das vor Allem aus einem Grund:
Sobald sie etwas älter ist und Interesse zeigt setze ich mich mit ihr ans Klavier. 🙂

Ihr Größte Vorliebe ist mit Abstand die Musik.
Sobald Mama eines ihrer Lieder trällert oder anderswo Klänge her kommen grinst sie und ist total gebannt.
Vor Allem beim Kinderarzt hat sich die beruhigende Wirkung beim Singen schon sehr bezahlt gemacht, eine paar Zeilen und sie wird sofort wieder friedlich.
Gegen Mamas Stimme stinkt sogar der Schnuller ab. 😀

Vom Essen und Schlafen

Das Thema kann ich relativ kurz machen, wirklich Spannendes gibt es da nicht zu erzählen.
Schon zu Beginn hatte sie vor Allem über Nacht sehr lange Schlafphasen, teilweise ist sie nur zweimal die Nacht aufgewacht und nach dem Essen auch gleich wieder eingeschlafen.
Mit 2 Monaten schlief sie das erste Mal von 22Uhr bis 5Uhr komplett durch.
Seitdem verschob sich das Aufwachen immer weiter bis auf 7Uhr Morgens und das Einschlafen rückte vor bis nunmehr auf 18-19Uhr Abends.
Zwischendurch hatte sie mal etwas unruhigere Nächte, im Dezember wachte sie sogar 2 Wochen lang schreiend und weinend mehrere Male auf.
Wahrscheinlich Verlustängste, wirklich begründen kann ich das Ganze nicht. Ich habe gelesen das Babys ab einem gewissen Punkt verstehen das Mama und Papa weggehen können.
Das ist allerdings auch schon wieder vergessen.
Seit sie aus ihrem Beistellbettchen raus gewachsen ist schläft sie bei uns im großen Bett.
Bevor jetzt eine Predigt kommt frei nach dem Motto: „So lernt sie ja nie alleine Schlafen und sie bleibt bis sie 30 ist bei euch im Bett!“
Das ist blanker Unsinn!

1. Sie schläft bereits allein, wir gehen nämlich ganz sicher nicht mit ihr um 18Uhr ins Bett.     Ich lege sie nach dem Abendessen hin und sie schläft friedlich ein. Bis wir nachkommen     auch ohne Probleme weiter.
2. Ich glaube spätestens wenn der erste Freund dran ist wird sie den sicher nicht mit zu            den Eltern ins Bett bringen. 😛

Das gemeinsame Schlafen ist uns wahrscheinlich wichtiger als ihr. Das größere Bettchen passt nicht bei uns ins Schlafzimmer und wir bringen es nicht übers Herz sie in ein anderes Zimmer zu legen.

Essen ist auch unspektakulär.
Mit Abschluss der 16. Lebenswoche habe ich die Beikost eingeführt und sie ist eine fleißige Esserin.
Und nein, ich koche nicht selbst.
Anfangs habe ich es noch probiert und fand es ätzend.
Sie bekommt also einfach Brei aus dem Glas und angerührten Getreidebrei, bis jetzt ist sie noch nicht dran gestorben. 😉

Die Körperproblematik

Überall liest man wie sich der Körper in der Schwangerschaft verändert, doch ich war nicht im geringsten vorbereitet auf das was danach kommt.

Nach einer Schwangerschaft ist dein Körper ein einziges Schlachtfeld!

Ausdauer ist so gut wie nicht mehr vorhanden, meine Haare fallen aus wie das Fell bei unseren Katzen im Sommer, meine Haut ist entweder trocken oder verfettet.
Ich bin steif wie ein Brett, mein Nacken besteht wahrscheinlich nur noch aus Backstein und Sex, nunja, den muss man wieder neu lernen.

Nichts ist mehr wie es vorher war, um ehrlich zu sein bin ich mir nicht mehr sicher ob es je wieder so wird.
Selbst nach 7 Monaten lecke ich mir immer noch die Wunden, im metaphorischen Sinne natürlich.

Doch es wird besser werden, ich glaube fest daran.

Im anderen Fall werde ich mit der Zeit einfach vergessen wie es vorher war. 😀

Der Alltag

Wie einige vielleicht mitbekommen haben komme ich ursprünglich aus Sachen, meine Familie, also 4 Geschwister, Eltern und Großeltern, wohnt auch noch dort.
Da es mich ans andere Ende der Deutschlandkarte nach Rheinland-Pfalz verschlagen hat, muss ich durch diese ganze Elternsache also ohne Back-Up durch.
Mein Mann geht 5 Tage die Woche von 6Uhr bis mindestens 15Uhr arbeiten, in den meisten Fällen kommt er aber eher zwischen 16Uhr und 17Uhr nach Hause.
Die meiste Zeit bin ich also mit dem Äffchen alleine, was natürlich oft nervlich sehr belastend ist.
Gerade wenn sie eine anstrengende Phase hat wünsche ich mir Nichts mehr als einfach mal eine Runde Laufen zu gehen oder in Ruhe einkaufen zu können, einfach mal etwas ohne Baby zu tun.
Es ist schwierig und die übliche Diskussion „Ich bin schließlich arbeiten!“ bleibt auch bei uns des Öfteren nicht aus.
Ich komme aus der Gastronomie, also einer sehr stressigen Branche, und an manchen Tagen wünsche ich mir meine 9h-Schichten zurück.
Zwar bin ich da immer am Rennen gewesen wie eine Irre, habe versucht die Arbeit von 3 Leuten zu erledigen und war im Dauerstress, doch danach war wenigstens Feierabend.
Zu sagen Eines von Beiden ist besser oder schlechter wäre totaler Blödsinn.
Jede Medaille hat zwei Seiten, doch die Kindererziehung,selbst von nur einem Kind, steht einem Vollzeitjob in Nichts nach.
Ich habe Respekt vor jeder Mutter die das auch noch mit 2 oder mehr Kindern prima hinbekommt.

Fazit

Im Endeffekt weiß ich das ich es sehr gut habe.
Das kleine Äffchen schläft fantastisch und ist auch sonst ein sehr umgängliches kleines Wesen.
Sie begeistert mich jeden Tag aufs Neue und wenn ich noch vor dem Aufstehen in ihr strahlendes Gesicht sehe weiß ich das Alles genau so richtig ist.
Doch es gibt diese Tage an denen auch Alles zu Viel ist, an denen man Kind, Katzen und Mann am liebsten aus dem Fenster werfen möchte und sich nach seinem alten Leben zurück sehnt.
Umgekehrt geht es ihnen wahrscheinlich genauso. 😉
Es gibt Tage an denen flutscht es nur so und es gibt Tage an denen ich mich dabei erwische wie ich mich nur von Kaffee und Breiresten des Äffchens ernähre, während ich versuche mit quengelnden Baby auf dem Arm irgendwas im Haushalt zu erledigen.
Auch wenn ich immer 2 Kinder wollte wird es wahrscheinlich bei diesem Einen bleiben.
Es sehe anders aus hätte ich meine Familie in der Nähe, besonders meine Schwester vermisse ich zu dieser Zeit besonders.
So wüsste ich schon nicht was ich in einer Notfallsituation tun sollte, es ist keiner da der so schnell verfügbar wäre, was würde das also dann noch mit 2 Kindern werden?
Doch es ist noch Nichts in Stein gemeißelt und ich bereue den Weg bis hier her in keinster Weise.
Das Abenteuer geht weiter und ich freue mich auf jede Sekunde davon! 🙂

Bleibt einfach,
Lili

Aus dem Leben – Jedem sein Nimmerland

Zeitsprung

Wir schreiben das Jahr 1999.

In diesem Jahr greift eine Epidemie der besonderen Art bei den Kindern um sich, die dazu führt das abertausende von ihnen nach der Schule schnellst möglich nach Hause eilen.

Essen ist erstmal unwichtig, Hausaufgaben sowieso, denn es braucht  RTL2 zum überleben.

Seit 01.September läuft dort nämlich Pokemon.

pokemon1

Mit Spannung verfolgen wir die glorreichen Abenteuer von Ash und Pikachu, Geschichten über Freundschaften der ganz besonderen Art.

Meine Schwester und ich sind ebenfalls befallen und träumen davon selbst auf die Jagd nach den Pocket Monstern zu gehen. Sie ist mit ihren 7 Jahren eh noch viel zu jung. Doch auch wenn ich mit 10 dem Alter des Protagonisten am Nächsten komme, meine Mutter wird mich wohl kaum mit Rucksack und Pokebällen auf Weltreise schicken.

Einen Hoffnungsschimmer aber gibt es: Weihnachten steht vor der Tür!

Mit Hysterie haben wir die Werbung im Fernsehen verfolgt und mitbekommen, dass es bald ein Videospiel zu unserem geliebten Trickfilm geben wird.

Das es dieses Spiel in Japan schon seit 1996 gab, Pokemon eigentlich ein Anime und kein Trickfilm war (also eben japanischer Trickfilm) und eben jener Anime eigentlich erst aufgrund dieses Videospiels entstanden ist, sollten wir erst viel später erfahren.

Wir wurden nicht enttäuscht!

Zu Weihnachten überreichte uns der Weihnachtsmann 2 Gameboy Color in violett-transparent und die Rote und Blaue Edition von Pokemon.

Ich kann mich nicht erinnern was wir noch zu Weihnachten bekamen, nicht einmal was wir in irgendeinem anderen Jahr bekommen haben. Meine Seele würde ich darauf verwetten das meine Schwester es auch nicht weiß.

Nichts hat uns je so glücklich gemacht und so sehr zusammen geschweißt, denn schließlich war man auf den Anderen angewiesen wenn man alle 150 Pokemon fangen wollte.

Noch an diesem  Abend starteten wir unser ganz eigenes Abenteuer in der Kanto-Region und konnten nach kurzer Zeit schon den ersten Orden in unseren Besitz nehmen.

Ein paar Tage später stellten wir fest das man die 3 Starterpokemon nur am Anfang beim Professor Eich bekommen konnte, vollständiger Pokedex war also unmöglich.

Wir starteten das Spiel insgesamt 6 mal neu und tauschten hin und her, so das jeder seine Reise gleichzeitig mit Glumanda, Bisasam und Shiggy erneut antreten konnte.

Wir waren Kinder und wir waren glücklich, größere Probleme als unseren Pokedex konnten wir uns nicht vorstellen…

 

Zeitsprung

Wir schreiben das Jahr 2016.

Meine Schwester ist mittlerweile 24 Jahre alt, im letzten Jahr ihrer Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin (ich bin übrigens furchtbar stolz auf dich) und lebt zusammen mit ihrem langjährigen Freund noch in der Nähe unserer alten Heimatstadt.

Ich selbst zähle nun 27 Jahre, bin verheiratet und nach 7 Jahren in meinem Beruf nun Mutter einer kleinen Tochter geworden. Ganze 600km weit weg hat es mich von meiner alten Heimat getrieben.

Unsere Leben haben sich verändert und es gibt nun doch größere Probleme als einen vollständigen Pokedex.

Am 26.Februar diesen Jahres jedoch, ich war gerade am Anfang des 6.Monat meiner Schwangerschaft und hatte den Kopf voll von Vorbereitungen auf dieses kleine Bündel was da in mir heranwuchs, hielt mich all das nicht davon ab meiner Schwester folgende Nachricht über WhatsApp zu schicken:

pokemonsonnemond

Mehr Infos gab es nicht, doch es hat uns gereicht. Schnell wurde abgemacht wer welche Edition bekommt, schließlich ist man was den Pokedex anbelangt auch 17 Jahre später immer noch aufeinander angewiesen.

Wir waren gehyped und warteten sehnsüchtig.

Doch diesmal war es nicht der Weihnachtsmann den wir voller Vorfreude erwarteten, sondern der Postbote.

Das Erwachsenen Dasein bringt Probleme mit sich, niemand kann davor entfliehen, doch es hat auch einen entscheidenden Vorteil:

Auch für seine Wünsche ist man selbst verantwortlich!

Meine Schwester und ich mussten nicht bis Weihnachten warten, denn pünktlich zum Release am 23.November hielten wir unsere Kindheitsträume in den Händen.

pokemonsonnemond2

Wir sind bereit für ein neues Abenteuer, genauso bereit wie wir es die letzten Jahre bei all den Anderen waren.

Und die Moral von der Geschicht?

Egal wie erwachsen ihr werdet, wie viel Verantwortung ihr tragt und wie viele Probleme ihr zu bewerkstelligen habt, bewahrt euch euer ganz persönliches Nimmerland.

Einen Ort an dem ihr einfach immer mal wieder Kind sein dürft!

Auch alt, tattrig und im Schaukelstuhl sitzend wird Dies für mich und meine Schwester immer die Welt der Pokemon sein.

 

Was sind eure liebsten Kindheitserinnerungen? Und habt ihr sie auch all die Jahre mit in die Gegenwart gebracht?

Bleibt einfach,

Lili

 

 

Aus dem Leben – Esse doch mal was Vernünftiges

Wenn man zum Essen einlädt bzw. eingeladen wird, gibt es, insofern die Gästeanzahl überschaubar und entsprechend die Nahrungsmittel kalkuliert werden müssen, eine sehr simple und gut gemeinte Frage:

„Gibt es denn etwas was du/ihr nicht esst?“

Als Antwort auf diese Frage wird generell mit großer Toleranz Alles akzeptiert was einem so in den Sinn kommen könnte.

Manche mögen keine Tomaten, andere Blumenkohl, ich kenne sogar Menschen die keine Nudeln mögen. Verrückte Sachen gibt es.

Nichts davon wird mit großem Erstaunen behandelt, das Meiste nicht mal eines Kommentares gewürdigt. Nun, bei meiner Antwort sieht es da etwas anders aus.

„Nur kein Fleisch, ansonsten esse ich Alles.“

Man muss sagen, jeder hat schon mal von diesen missionierten Vegetariern oder Veganern gehört. Jene Menschen die einen andauernd mit ihren Essgewohnheiten behelligen und alle verteufeln die nicht ihrer Meinung sind.

Solche Menschen kenne ich nicht.

Aber ich stelle euch gerne die andere Seite der Medaille vor:

Die missionierten Fleischfresser.

Ich will keine Streitgespräche über meine Ernährung führen, würde man mir oben erwähnte Fragen nicht stellen würde ich es nicht mal erwähnen. Weil, und jetzt haltet euch fest,

ES MIR SCHEIß EGAL IST WER WAS ISST!!!

Ich sage auch bewusst das ich kein Vegetarier bin, ich ernähre mich nur vegetarisch. Einfach weil ich es kann und weil ich es will.

In meiner Schwangerschaft erreichten die „gut gemeinten“ Ratschläge ihren Höhepunkt. Hat man mich bis dato doch nur ewig darauf hingewiesen warum man nicht auf Fleisch verzichten möchte bzw. nicht kann (und ich wiederhole gerne nie danach gefragt zu haben), so wurden die Kommentare mit der positiv getesteten Besetzung meines Uterus etwas spitzfindiger.

„Jetzt musst du aber mal vernünftig essen, schließlich geht es ja jetzt nicht mehr nur um dich!“

Was genau soll mir dieser Satz sagen?

Das ich meinen Körper bis jetzt mit Absicht mies behandelt habe weil es mir egal ist? Leben denn Menschen wirklich in der Annahme ich ernähre mich aus purer Sturheit auf diese Weise und nicht etwa weil ich mich damit wohler und fitter fühle?

„Was machst du denn gegen deinen Eisen- und B12-Mangel?“

Welcher verdammte Mangel? Ich bekomme die gleichen Präparate in der Schwangerschaft wie jede andere Frau auch. Kein einziger Bluttest hat je einen Mangel angezeigt und stellt euch vor, bis jetzt habe ich auch überlebt.

„Du wirst schon sehen was du davon hast!“

Ja, ich sehe was ich davon habe:

Nämlich ein kerngesundes und zufriedenes Kind!

Ich schäme mich furchtbar.

Nur weil irgendwo Wurst drin ist kann mein sein Essen noch lange nicht als ausgewogen deklarieren, geschweige denn als was „Vernünftiges“.

Und nun entschuldigt mich, ich geh mir jetzt einen Salat machen.

 

Bleibt einfach,

Lili

 

 

 

 

 

Aus dem Leben : Kalter Kaffee

Es ist 8Uhr Morgens, das Äffchen und ich haben noch etwas im Bett gekuschelt. Doch ihr ist langsam langweilig und ich verlege sie vom großen Bett unter ihren kleinen Spielbogen. Die Fische bekommen jetzt erzählt was ein Baby so träumt, Mama geht erst mal in die Küche.

Erster Handgriff: Die Starttaste der Kaffeemaschine.

Ich höre ein kurzes Brummen als sich die Maschinerie des Vollautomaten in Gang setzt, zufrieden verschwinde ich ein paar Minuten im Bad. Erstmal Gesicht waschen und Haare bürsten. Sollte ich noch länger Haarausfall haben kann ich mir zumindest das bald sparen, scheiß Hormone!

Kurz lunze ich ins Wohnzimmer zum Spielbogen, die Nacht war anscheinend interessant, das findet hoffentlich auch das Seepferdchen. Wieder in der Küche stelle ich meine Tasse unter den Kaffeeauslauf und drücke die Doppeltaste. Warum halbe Sachen mit einer kleinen Tasse machen?

Die Maschinerie setzt sich wieder in Gang, Zeit erstmal die Katzen zu versorgen. Ich sammle Futter und Wassernäpfe ein, beim Kontrollblick zum Äffchen sehe ich wie sie gerade den rosa Quallenfisch misshandelt. Vielleicht hat er Wiederworte gegeben, dumme Qualle…

Der Kaffee ist mittlerweile durchgelaufen, ich fülle neues Futter und Wasser in die Näpfe. Felix und Leo verfolgen mich schon seit meinem ersten Gang in die Küche, ich interpretiere das penetrante miauen als einen Wink mit dem Zaunpfahl mich endlich mal zu beeilen. Ich schlängle mich zwischen ihnen hindurch und stelle die Näpfe an die gewohnten Plätze, es wird still ausgelost wer welchen Napf bekommt. Ob es dahinter ein System gibt werde ich wohl nie heraus finden.

Wieder in der Küche nehme ich meine Tasse und rühre mir den gewohnten Löffel Honig in den Kaffee. Zucker ist mir zu süß, ungesüßter Kaffee ist zu bitter. Ich mag Honig.

Ich will daran nippen, er ist eindeutig noch zu heiß zum trinken. Ein Blick ins Wohnzimmer zeigt das die Fische noch interessant genug sind, mittlerweile ist der mit dem Spiegel an der Reihe.

Erstmal die Betten machen, Fenster auf zum durchlüften. Danach schnell den Abwasch vom Vortag wegräumen und neue Flasche für das Äffchen vorbereiten.

Ich höre es aus dem Wohnzimmer meckern und mache mich auf den Weg. Die Kater haben es sich mittlerweile auf dem Balkon gemütlich gemacht und bei den Näpfen sieht es aus wie auf dem Schlachtfeld. Ich sollte das Zeug einfach gleich auf dem Boden verteilen.

Beim Äffchen angekommen grinst sie mich frech an, war wohl einfach nur ein Kontrollmeckern. Mama war schnell genug da, also Alles gut. Ich drücke auf die dämlich grinsende Schildkröte und eine Dauerschleife von den immer drei gleichen Liedern geht los. Es gibt eine Taste mit der man andere Melodien einschalten kann, aber entweder funktioniert das nicht wirklich oder ich kann den Unterschied einfach nicht mehr erkennen. Wie auch immer, das Äffchen ist erstmal wieder beschäftigt.

Einmal im Wohnzimmer merke ich das vom gestrigen Abend auf der Couch noch Einiges stehen geblieben und durcheinander ist. Also schnell wieder alles aufgeräumt, Decken zusammengelegt, Kissen wieder ordentlich platziert und Tassen eingesammelt.

Mit dem Geschirr mache ich mich dann auf in die Küche und sehe dort meine vereinsamte Kaffeetasse. Froh über meine Entdeckung nehme ich einen Schluck, mit ganz viel Fantasie kann man ihn noch als lauwarm bezeichnen. Wegschütten gibts nicht, Koffein ist überlebenswichtig. Ich trinke tapfer aus und stelle die Tasse wieder unter den Auslauf, die Zweite wird bestimmt besser…

Die Maschine brummt, in der Zeit kann ich kurz Wäsche ansetzen. Ich laufe durch die Zimmer und sammle ein was waschbar aussieht. Die Couch passt leider nicht in die Maschine, Katzen schon. Ich sollte vorsichtig sein…

In der Küche rühre ich kurz den Honig in den Kaffee, er ist noch zu heiß. Ich stopfe die Sachen in die Trommel. Kein miauen. Soweit, so gut…

Aus dem Wohnzimmer dröhnt Gejammer, das Gedudle scheint selbst dem Äffchen mittlerweile gewaltig auf die Eierstöcke zu gehen. Die Fische haben ausgedient, ich verfrachte das meckernde Bündel in ihren tragbaren Schaukelsitz. In dem Ding kann sie gut beobachten, sie ist glücklich. Ich schleppe sie mit hinüber ins Schlafzimmer, bevor die neue Wäsche fertig ist sollte ich die Alte vom Ständer abnehmen. Ich fange an lustige Grimassen zu schneiden während ich T-Shirts zusammenlege. Das Äffchen lacht, ich lache mit ihr.

Als ich fertig bin denke ich mir, wenn du schon einmal im Schlafzimmer bist kannst du auch gleich saugen, noch ist das Äffchen friedlich. Also Staubsauger in die Hand und über den Teppich getanzt. Das Geräusch hat eine hypnotisierende Wirkung auf Babies, der Kleinen fallen langsam die Augen zu.

Ich habe die Hoffnung das sie kurz wegnickt, nur 5min damit ich in Ruhe meinen Ka…

Zu früh gefreut, als der Staubsauger aus ist gehen die Augen weit auf und die Fäustchen werden wütend in die Luft gestreckt. Hinzu kommt ein vorwurfsvoller Blick und eine schmatzende Schnute. Ich stecke den Schnuller rein, er wird ausgespuckt. Ich schaue auf die Uhr, es ist kurz vor 9, Zeit für ihre nächste Flasche.

Also ab auf den Wickeltisch, Faxen gemacht und Arsch gesäubert. Ihrer, nicht meiner wohlgemerkt. Danach ab auf die Couch und Fläschchen in die Schnute. Gegen Ende fallen die Äuglein schon zu, nach ihrem Bäuerchen lege ich Sie in ihren kleinen Stubenwagen. Das Äffchen ist satt und zufrieden, die Waschmaschine surrt ihr Lied und die Kater schnurren auf dem Balkon die Sonne an.

Ich gehe in die Küche und trinke einen Schluck aus meiner Tasse.

Der Kaffe ist kalt…

Vielleicht ist ja die Maschine kaputt?

 

 

Aus dem Leben: Willkommen auf dem Ponyhof!

Es gibt eine sehr spezielle Art von Menschen, ich nenne sie einfach mal Anwärter auf einen Platz im Ponyhof.

In den Köpfen dieser Menschen spielt sich ein schier unendliches Lied des Selbstmitleides ab.

 

Der Job ist scheiße, weil a) die Kollegen nerven, b) der Chef keine Ahnung hat und/oder c) man ja nicht entsprechend seiner herausragenden Leistungen entlohnt wird. (Es gibt auch noch d bis schlag mich tod, aber wir wollens nicht übertreiben)

In der Familie läuft es nicht weil a) der Partner einen einfach nicht versteht, b) man ja kaum noch Freizeit hat und/oder c) man es ja sowieso Keinem Recht machen kann. (Auch hier gibt es noch unzählige andere Varianten)

Die Gesundheit ist am Arsch…

Das Geld ist nie genug…

Ich will unbedingt abnehmen, aber…

 

Ihr versteht das Prinzip nehme ich an.

Das Faszinierende an diesen Menschen ist das man im Gespräch mit Ihnen feststellt das sie an der Situtation selten etwas ändern wollen.

Es gibt sehr wohl Versuche, allerdings sind diese komplett überspitzt. Die Realität bleibt dann weit hinter den Erwartungen zurück und das Ganze ist genauso schnell beendet wie es angefangen hat. Schuld sind natürlich meistens Andere.

Kommen wir nun zurück zum Ponyhof, ein Platz dort steht diesen Menschen nämlich in Ihren Köpfen aus Prinzip zu. Alles muss perfekt sein, muss Spaß machen und einen erfüllen. Tut es das nicht ist es scheiße, in jeglicher Hinsicht.

Das Problem bei der Sache, Nichts in dieser weiten Welt ist immer nur rosa, duftet und lässt einem Konfetti aus dem Arsch regnen. Alles hat zwei Seiten, egal welcher Bereich des Lebens.

Aus aktuellem Anlass ziehe ich hier mein wunderbares kleines Äffchen zur Erklärung heran.

Sie ist großartig, sie lacht so viel und erfüllt mich mit einem Stolz wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Jeden Tag scheint sie mehr und mehr dazu zu lernen, sie ist agil und neugierig und überhaupt in meinen Augen das großartigste Wesen das je einen Fuß auf diese Welt gesetzt hat.

Soviel zum Hauptteil des Tages…

Dann gibt es da noch dieses, ich bin jetzt mal bedrückend ehrlich, nervige kleine Balg dem man es manchmal einfach nicht Recht machen kann. Da wird geschrien, gequengelt und gemeckert bis Mama auch bald zum Affen mutiert. Sie kann jetzt zum Beispiel schon einigermaßen ihre Hände benutzen, oft dazu um die Flasche weg zu schlagen um dann in Geschrei auszubrechen weil sie weg ist.

Doch das gehört genauso dazu wie der andere Teil, macht Diesen aber dafür nicht weniger besonders. Ich würde sogar behaupten die schlechten Momente lassen einen die Guten umso mehr genießen.

Und die Moral von der Geschicht?

Das Leben ist ein Ponyhof, doch selbst da muss man ab und an mal Scheiße wegräumen. 😉

 

Bleibt einfach,

Lili